your face is your past
but the background now

Aphorismen

VISIONEN VON HERBST

und das taunasse gras 
und der winkel des lichts
nacktschneckenfraß 
und die last des gewichts

der verlust des verzichts
und der mangel an spaß
perspektiven des nichts
wie das kranke genas

dass du dich so zerkerbst
und du suchst harmonien
und du zählst was du erbst

und du dankst auf den knien
dass du jedem verziehn
sind visionen von herbst

DER RUF DES KRANICHS

der ruf des kranichs in der frühe
mit wasser festgezurrte zeit
gedanken rund fast weltenweit
und lasten machen keine mühe

ein kind will dich mit traum beschenken
und beinah hast du weggehört
des kindes kunst die dich betört
ist es gefühle auszudenken

der lauf des flusses wird dir bild
und lust nach ferne ungestillt
ein junge springt von einer brücke

dann biegst du um das letzte eck
die bucht das meer wucht oder zweck
getröstet über tag und tücke

DURCHWACHTE NACHT

keiner wusste besser als der morgen
dass der abend sinnlos war und schön
könnt ich heiterkeiten bei dir borgen
und am mittag wirklich wieder gehn

aber in der nacht kam die reprise
alles was du lebtest war gelacht
und die macht der allertiefsten krise
war vergessen und verträumt bedacht

du erzähltest mir von deinen schafen
denn erzähltes zählt und nicht die zahl
und es zählt dass wir uns wiedertrafen

dein jahrtausendblick voll fröhlichkeiten
wogte wie ein taifun hier im tal
und träume tauten laut im zugeschneiten

BOSNISCHE METAPHER

in unsern tälern flossen wir
ergossen uns in dich und dich
genossen wart ihr fürchterlich
zerronnen in der flucht und gier

auf unsern bergen litten sie
die sicht die nach der wärme rief
das wort das in der tiefe schlief
im grünen fluss der sinn verlieh:

als auf und ab verschenken sparen
verschleudern sinnen oder wahren
und davor langte hand aus steinen

in deinen mund seit tausend jahren
aus dem die trüben quellen klaren
kein wasser ist mit sich im reinen

FLIESSENDER WAHN

so wie ihr euch für weise haltet
zerfließt euch sichtlich euer hirn
aus langsam erodierter stirn
weil ihr als narren grütze lalltet

wo weithin wirrer wahnwitz waltet
und nerven blank am festen zwirn
in sommerglut gefühle klirrn
da hat sich leere frei entfaltet

ein jeder denkt dass er die welt verstand
und macht doch feld und gelt und zelt zuschanden
und kalt kommt ihm der mutterwitz abhanden

natur lässt kunst verkalken und versanden
wohl dem den bild und binnenheimat banden
wenn er zerfällt zu erde und zu sand

DER GREIS

was früher weisheit war
ist heut vergessenwollen
da war zuviel es tun zu sollen
und manches glaubte er war wahr

nun glaubt ihm niemand mehr
und es ist bald vergessen
noch dreißig jahre stillgesessen
dann bleibt der platz an seinem fenster leer

es weinen auf den trauerfeiern
die jungen sich die toten jung
der alte hört die trauerredner leiern

nutzt letztes licht und letzten schwung
die lippen schmal die füße bleiern
und tanzt mit der erinnerung

Stillleben 2015

termine taumeln wie in der tamborakrise
und schicken schatten nach verlorner zeit
vergessen kafkas käfer auf der kalten wiese
das volk sagt oft o herr es ist soweit

was tun die siebzig syrer in der feuerwache
die eben feuersnot entronnen sind
erfreun vergreiste stadt mit kinderlache
und hören erstmals pappeln leis im wind

die angst in den verhüllten köpfen
sie wandelt langsam sich in sicherheit
sie müssen nicht mehr wasser schöpfen

kein hunger mehr kein bitterherzeleid
und schafe brodeln in den billigtöpfen
doch jeder zehnte nachbar brütet neid

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